Frühstück für fleißige Köche

Team der Altenburger Tafel

Kulinarisches Dankeschön an das Team der Altenburger Tafel „ Zur Heiste „

Große Augen macht das Team der Altenburger Tafel „ Zur Heiste „ im Speisesaal an der Zwickauer Straße, als es mit prall gefüllten OVZ-Frühstückskörben überrascht wird. Davon gibt es gestern Morgen ausnahmsweise gleich zwei, um die 25 Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer fit für ihren Einsatz am Herd zu machen.

„Unser Gedanke war, denjenigen mal ein Essen zu spendieren, die sich sonst täglich darum kümmern, dass andere eine warme Mahlzeit bekommen“, sagt Adelheid Schatz, Geschäftsführerin vom Verein Ostthüringer Neue Arbeit, zu dem die Altenburger Tafel gehört.

Seit 1998 bietet die Heiste rund 120 bedürftigen und einkommensschwachen Bürgern im Landkreis von Montag bis Freitag eine warme Mahlzeit. Unterhalten wird die Einrichtung durch Fördergelder und Lebensmittelspenden. Obst und Gemüse ernten die Mitarbeiter in den Vereinseigenen Tafelgärten.

In Schmölln, Meuselwitz, Rositz und Altenburg kann sich jeder gegen eine Bescheinigung vom Sozialamt und einen kleinen Obolus satt essen. Zusätzlich werden Grund- und Regelschulen in der Skatstadt, in Rositz und Nobitz mit einem Frühstück für bedürftige Kinder beliefert. „Wir würden gern noch mehr Leute bewirten und freuen uns auch über weitere Helfer, aber viele haben Hemmungen, weil sie sich dann als bedürftig outen würden“, weiß Brigitte Schulze, die die Tafel seit sechs Jahren leitet. Da hilft nur Mundpropaganda unter den Gästen.

So ist auch Frank Rädel vor etwa einem Jahr zur Heiste gekommen, ein bekannter hatte ihn zum Mittagessen dort überredet. Der 48-jährige Altenburger, der im Kohlebergbau gelernt und gearbeitet hat, ist seit Jahren arbeitslos und findet trotz Umschulungsmaßnahmen keinen Job. Kein Grund für ihn zu Hause zu sitzen. Er hilft lieber ehrenamtlich in der Küche mit. „Viele halten es für Quatsch, dass ich unentgeltlich arbeite. Aber nach meiner Erfahrung geht ohne Ehrenamt gar nichts“, erzählt er. Zudem sei es schön, für die Unterstützung auch etwas zurückgeben zu können. In diesen Tagen muss er Berge von frischen Bohnen und Möhren aus den eigenen Tafelgärten schnippeln, damit sie für den Winter eingefroren werden können. „Man ist abends kaputt, aber auch gleichzeitig glücklich, weil man etwas geschafft hat und gebraucht wird“, sagt Rädel stolz.

Das bestätigt auch Brigitte Schulze: „ Es kostet viel Kraft, die Leute immer wieder zu motivieren, damit alles läuft. Aber im Laufe der Zeit wachsen alle zu einer großen Gemeinschaft zusammen. Und ich werde belohnt, wenn sie freiwillig dabeibleiben wollen, auch wenn ich mal mit ihnen schimpfen muss „.

Für die vielen Leckereien haben sich an diesem Morgen alle ausnahmsweise ein bisschen mehr Zeit genommen und genießen den Luxus, selbst einmal verwöhnt zu werden. Doch auch das schönste Frühstück muss nach einer Stunde enden, denn um 10.30 Uhr wollen die Fahrer Linsensuppe ausliefern. Frank Rädel bringt Brigitte Schulze ein paar Baquettescheiben und eine kleine Auswahl an Aufschnitt an den Tisch. Die ist vor lauter erzählen selbst noch gar nicht zum Frühstück gekommen. „Ich habe ihnen mal einen kleinen Teller zurecht gemacht“ sagt er fürsorglich und lächelt.

Franziska Seifert / Foto: Mario Jahn

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 01. Januar 2012 um 12:54 Uhr